Vorlesungsabstracts
01 Hämatopathologie: Lymphome, Leukämien
02 Diagnostik hämatologischer Systemerkrankungen
06 Einführung in die Onkologie: Epidemiologie, Ätiologie, Genetik
07 Grundlagen der Therapie in der Onkologie
08 Klinik maligner Lymphome I (Hodgkin, DLBCL)
09 Systemtherapie in der Onkologie: Pharmakologie und Anwendung der Zytostatika
10 Bildgebende Diagnostik in der Hämatologie und Onkologie
11 Klinik maligner Lymphome II (CLL, Follikuläres NHL)
12 Myeloproliferative Erkrankungen (CML, MPS)
14 Gerinnung: Erworbene Thrombophilie
15 Hämophilie - Blutungsneigung - hämorrhagische Diathesen
S1/S2 Interaktive Fragestunde I & II
19 Spezielle Pathologie des Mammakarzinoms
21 Malignes Melanom: Risikofaktoren, Diagnostik und Therapie
23 Videomikroskopie Hämatologie: Erkennen Sie die Zelle!
24 Hämatopoetische Stammzelltransplantation
25 Rektumkarzinom: Operative Strategie, Radiochemotherapie
27 Kopf/Hals-Tumore: Ätiologie, Operation, Strahlen- und Radio-Chemotherapie
28 Hodentumor: Diagnostik, Staging, OP-Verfahren, Systemtherapie - Kurative Strategie!
29 Onkologie im Alter - Kurativ oder palliativ
30 Opportunistische Infektionen bei Tumorpatienten
31 Gesprächsführung mit Tumorpatienten
33 Hereditäre Tumorleiden - Genetik und Krebs
34 Klinische Geriatrie: Essentials
Dozierender: Prof. Dr. P. Ströbel
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen, Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Ausgehend von dem historisch entstandenen Begriff “Leukämie” gibt die Vorlesung einen Überblick über die neoplastischen Erkrankungen des Blutes und des lymphatischen Systems.
Im ersten Teil wird auf neoplastische Veränderungen der Blutbildung im Knochenmark eingegangen. Dabei kann, unter Berücksichtigung von Proliferation und Dysplasien, zwischen folgende große Erkrankungsgruppen unterschieden werden: (1) Myeloproliferative Erkrankungen, (2) Myelodysplastische Erkrankungen und (3) Akute Leukämien.
Im zweiten Teil der Vorlesung kommt die große Erkrankungsgruppe der Lymphome zur Sprache. Bei diesen kann grob zwischen T- und B-Zell-Lymphomen unterschieden werden. B-Zell-Lymphome wiederum werden in Hodgkin-Lymphome (HL) und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) unterteilt. Weshalb diese Unterteilung sinnvoll ist und wie NHL anhand des Konzepts der „korrespondierenden Normalzelle“ (vereinfacht ihrem Reifungsgrad) weiter unterteilt werden, wird ebenfalls erläutert. Am Ende der Vorlesung sollten Sie eine Einteilung der besprochenen Krankheitsbilder vornehmen können und verstanden haben, weshalb sowohl die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL), das Multiple Myelom, als auch das Follikuläre Lymphom zu den NHL gezählt werden.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Grundmann E: Kurzlehrbuch Pathologie. 12. Auflage; Elsevier, Urban & Fischer, München 2014. Insbesondere Kapitel 10: Knochenmark und lymphatische Gewebe (Prof. Ströbel ist einer der Autoren des Kapitels).
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Vorschlag für eine Systematik der Krankheitslehre
Diese Tabelle soll zum Nachdenken über grundsätzliche Krankheitsmechanismen anregen. Die Grenzen zwischen den Erkrankungsgruppen sind teilweise fließend. Neoplastische Erkrankungen beispielsweise können auf dem Boden chronischer Entzündungsprozesse entstehen (z. B. EBV-Infektion) und zeigen praktisch immer Veränderungen ihres genetischen Profils.
“Mit Schema ist’s bequema” |
Dozierende: Prof. Dr. D. Haase, Prof. Dr. P. Ströbel
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen, Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Anhand konkreter Fallbeispiele werden Ihnen die klassischen und täglich eingesetzten diagnostischen Methoden und moderne aufwändigere Verfahren der Hämatologie vorgestellt. Dazu gehören das aus dem peripheren Blut angefertigte Blutbild und Differenzialblutbild sowie die Beschreibung möglicher Blutbildveränderungen. Bei abklärungsbedürftigen Befunden können durch die Knochenmarkpunktion detaillierte Informationen über potentiellen Störungen in der Blutbildung gewonnen werden. Das Knochenmark wird dazu u.a. mikroskopisch untersucht (Zytomorphologie, Zytochemie, Histologie). Unverzichtbar für die Diagnosestellung, zur Abgrenzung von Differenzialdiagnosen, für Therapieentscheidungen und die Prognoseabschätzung sind darüber hinaus die Durchflusszytometrie (FACS) zur Immunphänotypisierung der Zellen sowie die Zytogenetik (Chromosomenanalyse) und die Molekulargenetik. Die einzelnen diagnostischen Schritte werden anhand der Fallbeispiele geübt, Vor- und Nachteile der Methoden beleuchtet und die enorme Relevanz genetischer Veränderungen für Therapie und Prognose des Patienten durch ausgewählte „molekulare Details“ verdeutlicht.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Skript „Praktikum Hämatologie und Klinische Chemie“ aus Modul 1.2, Kapitel 2-4
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Grundlegendes ärztliches Vorgehen im klinischen Alltag
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Dozierender: PD Dr. J. Riggert
Autoren des Vorlesungsabstracts: T. Ortlieb, D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende Theoretische Kenntnisse:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Nach einer Einführung in die rechtlichen Grundlagen und Richtlinien der Transfusionsmedizin werden Ihnen in der Vorlesung wichtige technische Verfahren der Blutspende vorgestellt. Zudem erfahren Sie, welche klinischen und laborchemischen Untersuchungen (z. B. Untersuchungen auf Viren, Bakterien) im Rahmen jeder Blutspende erfolgen müssen, um für den Empfänger der Blutprodukte eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten.
Der inhaltliche Schwerpunkt der Vorlesung liegt auf den wichtigsten Indikationen für die Transfusion unterschiedlicher Blutprodukte. Im Detail besprochen wird die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EK), Thrombozytenkonzentraten (TK) und Plasmaderivaten (z. B. FFP). Als Indikation für die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EKs) gilt ein klinisch relevantes (z. B. zu Symptomen führendes) Absinken der Hämoglobinkonzentration (Hb). Abhängig von der Geschwindigkeit des Hb-Abfalls (akut oder chronisch), dem Allgemeinzustand des Patienten und den Begleiterkrankungen gelten unterschiedliche Hb-Werte als Transfusionsindikation.
Darüber hinaus wird auf die Komplikationen bei Transfusionen (z.B. allergische und hämolytische Transfusionsreaktion, „TRALI“, Hyperkaliämie, Citratintoxikation) eingegangen und die Bedeutung der unterschiedlichen Oberflächenantigene (HLA, AB0-System, Rh-System, HPA) für die Kompatibilität der jeweiligen Blutprodukte kurz wiederholt. Verschiedene Kontrollpunkte wie beispielsweise der „Bedside“-Test erhöhen die Sicherheit der Anwendung von Blutprodukten und Sie können zum Abschluss der Vorlesung Ihr Wissen bei der Interpretation unterschiedlicher „Bedside“-Tests ganz konkret und praxisnah unter Beweis stellen.
Empfehlung zur Nachbereitung
Vorlesungsbegleitendes Skript „Transfusionsmedizin“
Dozierender: Prof. Dr. L. Trümper
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde (basierend auf der jeweiligen Patientenvorstellung):
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Vorlesung beginnt mit einer Patientenvorstellung. Diese soll nicht nur ein konkretes Krankheitsbild demonstrieren, sondern Ihnen durch den Bericht des Patienten bewusstmachen, welche psychischen und sozialen Dimensionen die Diagnose und Therapie von schwerwiegenden Gesundheitsstörungen hat.
Ausgehend von einem Leitsymptom, beispielsweise kleinen Hauteinblutungen an den Beinen (Petechien), wird in der Vorlesung über den Leitbefund (z. B. Thrombozytopenie) die Bandbreite der differentialdiagnostischen Überlegungen vorgestellt. Pathophysiologisch liegt einer Thrombozytopenie entweder eine verminderte Bildung oder ein erhöhter Verbrauch bzw. Abbau von Thrombozyten zugrunde. Die Prinzipien von Zellmangel oder Zellvermehrung in der Abklärung benigner Veränderungen der Hämatopoese und ihrer Abgrenzung von malignen Veränderungen wie der Leukämie werden dargestellt.
Eine verminderte Bildung kann toxische und medikamentöse Ursachen haben oder aufgrund einer Infiltration/Verdrängung des Knochenmarks durch neoplastische Zellen zustande kommen. Ein gesteigerter Verbrauch bzw. Abbau von Thrombozyten kommt beispielsweise durch Autoantikörper (ITP, HIT II etc.), bei Sepsis (DIC), bei thrombotischen Mikroangiopathien (HUS und TTP) oder einer bestehenden Splenomegalie vor. Die kausale Therapie der Thrombozytopenie hängt von der jeweiligen Ursache ab. Als symptomatische Therapie kann, unter Berücksichtigung von Kontraindikationen, die Gabe von Thrombozytenkonzentraten erwogen werden.
Die Vorlesung gibt viele zusätzliche Informationen (Begriffsdefinitionen, Exkurs in die Technik der Knochenmarkpunktion, relevante Studien uvm.), die Ihnen beim Durchlaufen des Moduls 3.3 hilfreich sein werden.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Lernzielkatalog
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Lerntipp Für die wichtigen Leitsymptome und Leitbefunde sollten Sie eine Definition kennen und verschiedene zugrundeliegende Gesundheitsstörungen (Differentialdiagnosen) aufzählen können. Fangen Sie gleich einmal mit den in der Vorlesung vorgestellten Symptomen/Befunden an:
„The efficiency of the Fat Man‘s world rested on the concept of the three-by-five index card. He loved three-by-five cards.“ (The House of God, Samuel Shem) |
Dozierende: Prof. Dr. L. Trümper
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen aus Modul 1.2
Abstract
Die Vorlesung beginnt mit einer Patientenvorstellung. Ausgehend von den Schilderungen des Patienten werden mit Ihnen die klassischen Symptome der Anämie besprochen, die abhängig von der Dauer der Anämie (chronisches oder akutes Auftreten), den Kompensationsmechanismen des Patienten (jung oder alt, Begleiterkrankungen) und der Anämieform unterschiedlich ausgeprägt sein können. Jede Anämie sollte abgeklärt werden!
Pathophysiologisch liegt einer Anämie ein Erythrozytenverlust, ein erhöhter -Verbrauch oder eine Bildungsstörung zugrunde. Das diagnostische Vorgehen im klinischen Alltag orientiert sich an einer auf der Erythrozytengröße basierenden Klassifikation. So wird zwischen einer makrozytäre/hyperchromen, einer normozytäre/normochromen und mikrozytär/hypo- chromen Anämie unterschieden. Die Vorlesung geht sowohl auf den weiteren diagnostischen Algorithmus, als auch auf die unterschiedlichen Anämieformen, insbesondere die Eisenmangelanämie, hämolytische Anämien, makrozytäre Anämien und Hämoglobinopathien (Sichelzellanämie, Thalassämie) ein.
Dabei sollten Sie sich klarmachen, dass „Anämie“, „Hämolyse“ oder „Eisenmangel“ keine Diagnosen, sondern Syndrombezeichnungen sind, die Anlass für eine Diagnosefindung sein müssen. Einem Eisenmangel beispielsweise können ein chronischer Blutverlust (Darm, Menstruation), ein erhöhter Bedarf während der Wachstumsphase, eine unzureichende enterale Eisenresorption (chronisch entzündliche Darmerkrankungen) oder eine Mangelernährung zugrunde liegen. Dies hat mit Blick auf die kausale Therapie eine große Bedeutung. Je nach Grunderkrankung und der Schwere der Symptome kann durch die Gabe von Erythrozytenkonzentraten (EK) der Erythrozytenmangel im Notfall gebessert werden. Auf die Transfusion von Blutprodukten wird in der Vorlesung Hämotherapie eingegangen.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Skript „Praktikum Hämatologie und Klinische Chemie“ aus Modul 1.2, Kapitel 1
Dozierender: Prof. Dr. L. Trümper
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Krebserkrankungen sind (noch) die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Während die altersstandardisierte Inzidenz neoplastischer Erkrankungen global und auch in Deutschland zunimmt, sinkt deren Mortalität. Verlässliche Daten, die eine Auswertung der Ursachen, Therapien, Verläufe und Komplikationen ermöglichen, werden anhand von Krebsregistern erhoben. Anhand von Beispielen gibt Ihnen die Vorlesung einen Einblick in die aus solchen Studien und Registern erhobenen Schlußfolgerungen. Von diesen Zahlen ausgehend wird ein Bogen zur Ätiologie der Krebserkrankungen geschlagen.
Krebs ist eine genetische Erkrankung: d.h. Veränderungen im Genom/Epigenom finden sich bei jeder Krebszelle. Die Ursache für diese Veränderungen ist ein Zusammenspiel von Umweltfaktoren und genetischer Prädisposition – und von Zufallsereignissen im Genom. Umweltfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, bestimmte Infektionen (beispielsweise EBV, HPV, HBV), Strahlung etc. haben aufgrund ihrer Vermeidbarkeit eine wichtige Bedeutung für die Primärprävention von Erkrankungen. Hinweise auf eine genetische Prädisposition (z. B. BRCA-Mutationen, HNPCC) können durch die gezielte Familienanamnese sowie eine humangenetische Untersuchung gewonnen werden und so Anlass für sekundärpräventive Maßnahmen geben. Darüber hinaus ist jeder Arzt dazu verpflichtet über Vorsorgeuntersuchungen zu beraten. Welche Vorsorgeuntersuchungen für welche Personengruppen derzeit empfohlen werden wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt und ist ebenfalls Gegenstand der Vorlesung.
Empfehlungen zur Nachbereitung
iLearn Onco: Einführung in die Onkologie, Wie entsteht Krebs?
Mukherjee S: The emperor of all maladies: a biography of cancer. Fourth Estate, London 2011
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Anamnese (Taking a history)
Longmore (Hrsg.): Oxford handbook of clinical medicine. 9. ed; Oxford Univ. Press, Oxford 2014 |
Dozierender: Prof. Dr. L. Trümper
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Abstract
In die Therapie neoplastischer Erkrankungen sind viele unterschiedliche Fachdisziplinen mit eingebunden. Chirurgie und Strahlentherapie sind wichtige lokale Therapieoptionen, während pharmakologische Therapieansätze systemisch wirken. Durch die Kombination dieser Therapiemodalitäten können synergistische und additive Therapieeffekte erreicht werden. Im Anschluss an eine Operation kann eine adjuvante Chemotherapie und/oder Strahlentherapie eingesetzt werden, um die verbliebenen Tumorzellen zu reduzieren und im Idealfall zu beseitigen. Vor einer Operation macht eine neoadjuvante Chemotherapie und/oder Strahlentherapie in manchen Fällen die Operabilität von soliden Tumoren erst möglich oder verbessert das funktionelle Ergebnis.
Im ersten Teil der Vorlesungen werden Sie anhand eines konkreten Patienten mit dem Ablauf einer Chemotherapie und der Struktur onkologischer Therapiepläne vertraut gemacht. Für die Festlegung der im Einzelfall geeigneten Therapie sind unter anderem die Tumorentität, die Ausdehnung der Tumorerkrankung (Staging), der Allgemeinzustand und die Komorbiditäten des Patienten ausschlaggebend. In Zusammenschau all dieser Aspekte wird das Therapieziel festgelegt, dass entweder eine kurative oder eine palliative Intention haben kann. Bei letzterer stehen die Verlängerung der Lebenszeit sowie die Linderung tumorbedingter Symptome sowie der Erhalt der Lebensqualität des Patienten im Vordergrund. Bei jüngeren Patienten spielen bei der Therapieplanung zudem langfristige Gesichtspunkte, wie die Entwicklung von Zweitneoplasien und der Fertilitätserhalt, eine wichtige Rolle.
Der zweite Teil der Vorlesung gibt Ihnen eine Einführung in pharmakologische Therapieoptionen. Neben der “klassischen” zytostatischen Therapie werden zunehmend monoklonale Antikörper und andere gezielt auf die Neoplasie abgestimmte Medikamente, sog. “target drugs” (z. B. Tyrosinkinaseinhibitoren), eingesetzt. Insbesondere bei hämato- logischen Neoplasien werden verschiedene Therapiephasen voneinander unterschieden: Induktions-, Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie. Viele der angewandten Therapiekonzepte wären ohne adäquate supportive Maßnahmen (Antiemese, Infektionsprophylaxe, Psychotherapie etc.) nicht durchführbar. Besonders auf die antiemetische Therapie geht die Vorlesung näher ein.
Empfehlungen zur Nachbereitung
iLearn Onco: Einführung in die Onkologie, Therapieziele und -prinzipien
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Allgemeinzustand eines Patienten “... Jahre alter Patient in reduziertem Allgemeinzustand (AZ) und regelrechtem Ernährungszustand (EZ).” Häufig beginnt ein Untersuchungsbefund genau mit diesen Worten. Der EZ lässt sich an Größe, Gewicht und BMI festlegen. Aber auch der AZ eines Patienten kann auf verschiedene Weise objektiviert werden.
Stichworte: Karnofsky, ECOG und WHO-Index |
Dozierender: Prof. Dr. L. Trümper, Prof. Dr. S. Rieken
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Vorlesung beginnt mit einer Patientenvorstellung. Von dieser ausgehend wird besprochen wie die Gruppe der Lymphome biologisch und immunologisch charakterisiert wird und auf welche unterschiedliche Weisen sich Lymphome klinisch präsentieren können.
Hodgkin-Lymphome beispielsweise fallen häufig durch eine im Halsbereich beginnende Lymphadenopathie auf, die von B-Symptomen wie z. B. über Wochen und Monate undulierendes Fieber (in diesem Falle auch als Pel-Ebstein-Fieber bezeichnet) begleitet wird. Von großer Bedeutung ist die Differenzierung zwischen einer reaktiven (z. B. durch Infektion) und einer malignen (Metastase, Lymphom) Lymphadenopathie. Durch eine gründliche klinische Untersuchung können anhand verschiedener Kriterien (z. B. Lokalisation, Schmerz, Größe, Größendynamik und Verschieblichkeit von Lymphknoten) wichtige Hinweise auf die zugrundeliegende Erkrankung gewonnen werden.
Anhand ihres unterschiedlichen klinischen Verlaufes unterscheidet man aggressive von indolenten Lymphomen. Die Vorlesung „Klinik maligner Lymphome I“ legt einen Schwerpunkt auf die Diagnostik (inklusive Staging nach Ann-Arbor) und Therapie aggressiver Lymphome, die sich durch eine schnelle monoklonale Proliferation von Lymphozyten einer geringen Reifungsstufe auszeichnen und meist kurativ behandelbar sind. Auf die indolenten Lymphome wird in der Vorlesung Klinik maligner Lymphome II eingegangen.
Im zweiten Teil der Vorlesung werden Sie mit den Möglichkeiten der Strahlentherapie vertraut gemacht, die in der Therapie vieler solider Tumore und auch beim Hodgkin-Lymphom, einen festen Platz in der multimodalen Behandlung hat. Weshalb die lokale Bestrahlung bei einer Systemerkrankung wie dem Hodgkin-Lymphom sinnvoll ist und welche weiteren Details (auch im Hinblick auf die Klausur) für Sie wichtig sind, erfahren Sie in der Vorlesung. Im Anschluss sollten Sie zudem die akuten Komplikationen, als auch Langzeitfolgen der Bestrahlung benennen können.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Leischner H: Basics Onkologie. 4. Auflage; Elsevier, Urban & Fischer, München 2016 (Für einen schnellen Überblick über ein komplexes Thema)
Onkopedia: Hodgkin Lymphom und Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)
Dozierende: Prof. Dr. J. Brockmöller
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Vorlesung konzentriert sich auf ausgewählte, wichtige Arzneimittel, die in der Systemtherapie von Tumorerkrankungen einen festen Platz haben. Sie geht dabei auf vier große Arzneimittelgruppen ein.
Die in der Tumortherapie eingesetzten Dosierungen vieler Zytostatika sind ein Kompromiss zwischen tumorbezogener Toxizität (Nutzen) und patientenbezogener Toxizität (Nebenwirkungen). Anders ausgedrückt, Zytostatika haben eine geringe therapeutische Breite. Aber auch endokrine Therapien und “zielgerichtete” Therapeutika haben nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Die Kenntnis dieser unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAWs) ist daher insbesondere in der Tumortherapie von wichtiger Bedeutung um UAWs vorzubeugen (z. B. Kombination von MTX mit Folsäure oder Cyclophosphamid mit Mesna), diese rechtzeitig zu erkennen, supportive Maßnahmen (Gabe von Antiinfektiva, Antiemetika etc.) zu ergreifen und bei Fortsetzung der Therapie ggf. die Dosis anzupassen. Im Hinblick auf Wirkung und UAWs werden in der Vorlesung auch relevante Gesichtspunkte zur Elimination und Interaktion der Tumortherapeutika mit anderen Arzneimitteln aufgezeigt.
Dozierende: Prof. Dr. F. Alves, Dr. A. S. A. Hosseini
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Bildgebende Verfahren werden für die Diagnose, das Staging (Feststellung der Tumorausbreitung), zum Therapiemonitoring und in der Nachsorge von Tumorerkrankungen eingesetzt. Die Vorlesung geht schwerpunktmäßig auf das Staging ein, das bei soliden Tumoren international anhand der TNM-Klassifikation durchgeführt wird. Aber auch das Therapiemonitoring und die Definitionen der Begriffe Complete Response (CR), Partial Response (PR), Stable Disease (SD) und Progressive Disease (PD) werden erläutert.
Nach einer kurzen Einführung in die jeweiligen Erkrankungen wird der diagnostische Algorithmus des kolorektalen Karzinoms, des Melanoms und des Bronchialkarzinoms besprochen. Auf diese Weise wird die TNM-Klassifikation mit Ihnen gemeinsam konkret angewandt und geübt. Darüber hinaus wird Ihnen das diagnostische Vorgehen bei Lymphomen vorgestellt, deren Stadieneinteilung nicht anhand der TNM-, sondern mit Hilfe der Ann-Arbor-Klassifikation erfolgt.
Bei allen technischen Möglichkeiten sollten Sie sich bewusstmachen, dass die Bildgebung immer in den klinischen Kontext eingeordnet werden muss. Der Radiologe kann ohne Angaben über die Grunderkrankung des Patienten und die bereits erfolgte Therapie die Befunde nur eingeschränkt beurteilen. Im Anschluss an die Vorlesung sollten Sie darüber hinaus verstanden haben, wie schwierig die Beurteilung des nodalen Befalls („N“) sein kann, welchen Stellenwert das PET-CT für diese Fragestellung hat und weshalb die Entnahme eines Lymphknotens zu diagnostischen Zwecken idealerweise „in toto“ erfolgt.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Recherchieren Sie Schlagwörter wie z. B. RECIST, Ann-Arbor und weitere.
Dozierender: Prof. Dr. L. Trümper
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
“Immuntherapie gegen Krebs?” Mit einem Exkurs in dieses hochaktuelle Thema knüpft die Vorlesung an die vorangegangene Vorlesung Klinik maligner Lymphome I an und geht dann, nach einer Fallvorstellung, schwerpunktmäßig auf die indolenten Lymphome, insbesondere die Chronische Lymphatische Leukämie vom B‑Zell-Typ (B-CLL) und das Follikuläre Lymphom (FL) ein.
Die B-CLL ist die häufigste Form der Leukämie im Erwachsenenalter. Maligne transformierte Lymphozyten finden sich bei der B-CLL im Blut (Lymphozytose), im Knochenmark (Verdrängung der Blutbildung: Anämie, Thrombozytopenie) und in sekundären lymphatischen Organen (Lymphadenopathie, Splenomegalie) als Kennzeichen einer systemischen malignen Erkrankung. Je nach Ausprägung des Befalls wird die Erkrankung in verschiedene Stadien nach Binet (A-C) eingeteilt. Häufig mit der Erkrankung vergesellschaftet ist eine autoimmunhämolytische Anämie, Autoimmun-Thrombozytopenie und/oder Hypogammaglobulinämie (sekundärer Antikörpermangel), die auch der erste Hinweis auf eine B-CLL sein können. Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung ist der Blutausstrich (“Gumprecht-Kernschatten”) und der FACS-Befund diagnostisch wegweisend. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium, dem Risikoprofil (CLL-IPI und molekulare Risikomarker) und dem Allgemeinzustand des Patienten. Auf alle drei Aspekte geht die Vorlesung ein, führt Sie in die Kategorien “go go”, “slow go” und “no go” ein und stellt Ihnen die wichtigen Substanzklassen vor, die therapeutisch zum Einsatz kommen.
Das Follikuläre Lymphom ist ein indolentes, langsam wachsendes und derzeit nicht heilbares Lymphom. Auf molekularer Ebene kommt es durch die Translokation t(14;18) zu einer Überexpression des Proteins bcl-2, das die Apoptose hemmt und durch das BH3-Mimetikum Venetoclax antagonisiert werden kann. Wann eine Therapie indiziert ist und durch welche Therapeutika und Therapieschemata heute ein deutlich verlängertes Überleben erreicht werden kann erfahren Sie in der Vorlesung.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) und Follikuläres Lymphom
Dozierender: Prof. Dr. D. Haase
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Zur Gruppe der myeloproliferativen Erkrankungen (myelos: Knochenmark, proliferativ: verstärkt wachsend) gehören die chronisch myeloische Leukämie (CML), die Polycythämia vera (PV), die essentielle Thrombozytämie (ET), die primäre Ostomyelofibrose (PMF) und andere seltenere Erkrankungen, die für Sie als Studenten eine untergeordnete Rolle spielen.
Der chronischen myeloischen Leukämie (CML) liegt eine übermäßig gesteigerte Granulopoese zugrunde, die molekular auf die sog. Philadelphia-Translokation t(9:22) mit pathologischer Fusion von BCR (22q11) und ABL (9q34) zurückzuführen ist. Unterschieden werden bei der CML die drei Erkrankungsphasen (1) chronische Phase, (2) akzelerierte Phase und (3) Blastenkrise. Diagnostisch wegweisend ist eine Leukozytose mit pathologischer Linksverschiebung, d.h. das Vorkommen von frühen Reifungsstufen der Granulopoese im peripheren Blut. Zum diagnostischen Standard gehört eine Knochenmarkpunktion mit anschließender lichtmikroskopischer, zytogenetischer und molekulargenetischer Aufbe- reitung des gewonnen Materials. Die Vorlesung geht besonders auf die Therapie der CML ein, die mit der Einführung des Tyrosinkinase-Inhibitors (TKI) Imatinib die Prognose der CML paradigmatisch durch eine exakt gegen den genetischen Defekt gerichtete Substanz („targeted therapy“) entschieden verbessert hat. Imatinib und andere neuere TKI hemmen selektiv die durch die Translokation t(9:22) entstandene, übermäßig aktive Tyrosinkinase bcr‑abl, die für die ungehemmte Proliferation bei der CML verantwortlich ist. Inzwischen unterscheidet sich hierdurch die Lebenserwartung bei neu diagnostizierter CML nicht mehr von einer gleich alten, nicht erkrankten Vergleichsgruppe.
Im zweiten Teil der Vorlesungen werden Ihnen die Philadelphia-negativen myeloproliferativen Erkrankungen vorgestellt. Bei der Polycythämia vera (PV) liegt eine gesteigerte Erythropoese und bei der essentiellen Thrombozytämie (ET) eine gesteigerte Thrombopoese vor. Beide Erkrankungen können in eine sog. sekundäre Osteomyelofibrose übergehen, die aber auch als eigenständige Erkrankung vorkommt und dann als primäre Osteomyelofibrose (PMF) bezeichnet wird. Das therapeutische Spektrum je nach Erkrankung, individuellen Risikofaktoren und Erkrankungsverlauf reicht von der Aderlasstherapie bei PV, einer Thrombozytenaggregations-Hemmung (ASS) bei PV und ET, über eine zytoreduktive Therapie (z. B. mit Hydroxyurea) oder eine zielgerichtete Hemmung der Janus Kinase 2 (JAK2), bis hin zur allogenen Stammzelltransplantation.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Myeloproliferative Neoplasien (MPN), Polycythaemia vera (PV), Essentielle Thrombozythämie (ET), Primäre Myelofibrose (PMF) und Chronische myeloische Leukämie (CML)
Kompetenznetz Leukämie: Übersichtsartikel und Literaturempfehlungen
Ausgewählte Literatur für interessierte Studierende
Hehlmann R (2016): Research in the heart of hematology: chronic myeloid leukemia 2017. Haematologica 101(16): 657-659
Klampfl T, Gisslinger H, Harutyunyan AS, Nivarthi H, Rumi E, Milosevic JD, Them NCC, Berg T, Gisslinger B, Pietra D, et al. (2013): Somatic mutations of calreticulin in myeloproliferative neoplasms. N Engl J Med 369, 2379–2390
Mesa RA, Scherber RM, Geyer HL (2015): Reducing symptom burden in patients with myeloproliferative neoplasms in the era of Janus kinase inhibitors. Leuk Lymphoma 56: 1989-1999
Scherber R, Dueck AC, Johansson P, Barbui T, Barosi G, Vannucchi AM, Passamonti F, Andreasson B, Ferarri ML, Rambaldi A, et al. (2011): The Myeloproliferative Neoplasm Symptom Assessment Form (MPN-SAF): international prospective validation and reliability trial in 402 patients. Blood 118, 401–408
Swerdlow SH, Campo E, Harris NL, Jaffe ES, Pileri SA, Stein H, Thiele J (eds): WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues (Revised 4th edition). IARC: Lyon 2017
Tefferi A (2016): Myeloproliferative neoplasms: A decade of discoveries and treatment advances. Am J Hematol 91(1): 50-8
Dozierender: Prof. Dr. G. Wulf
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Mit einer Patientenvorstellung beginnend führt Sie die Vorlesung durch das Thema der akuten Leukämien. Bedingt durch die Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark kommt es bei der akuten Leukämie zu den hämatologischen Leitsymptomen Anämie, opportunistische Infektionen, Blutungsneigung und B‑Symptome (Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß). Kennzeichnend für die akute Leukämie ist, dass sich einzelne oder mehrere der genannten Symptome über einen kurzen Zeitraum von Wochen bis Tagen entwickeln. Durch eine Organinfiltration der leukämischen Blasten kann es zu weiteren Symptomen wie z. B. Knochenschmerzen, Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie und neurologischen Ausfällen kommen.
Definiert ist die akute myeloische Leukämie (AML) durch einen myeloischen Blastenanteil von >20 % und die akute lymphatische Leukämie (ALL) durch einen lymphatischen Blastenanteil >25 % im Knochenmark oder peripheren Blut. Die Vorlesung stellt die Ätiologie und Pathogenes der akuten Leukämien dar und geht dann auf die Diagnostik und Klassifikation ein. Durch Zytogenetik, Molekularbiologie und Immunphänotypisierung lassen sich Erkrankungs-immanente Faktoren bestimmen die für die Therapie und Prognose entscheidend sind. In Zusammenschau mit den Patienten-individuellen Faktoren (Lebensalter, Allgemeinzustand und Komorbiditäten) ergibt sich daraus das Therapiekonzept.
Bei einem kurativen Therapiekonzept wird durch eine intensive Chemotherapie und ggf. allogene Stammzelltransplantation eine dauerhafte Elimination der leukämischen Blasten angestrebt. Die Prinzipien der zytostatischen Therapie der akuten Leukämien werden dargestellt. Für einige Formen der AML und ALL gibt es molekular gezielte Therapien. Beispielsweise hat die akute Promyelozytenleukämie (APL, AML M3) durch die Therapie mit All-trans-Retinsäure (ATRA) und Arsentrioxid (ATO) eine sehr gute Prognose. Auf welchen Mechanismus dies zurückzuführen ist und was ein „Chlorom“ ist erfahren Sie beim Besuch der Vorlesung.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Akute Lymphatische Leukämie (ALL) und Akute Myeloische Leukämie (AML)
Dozierende: Prof. Dr. C. Binder
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen, Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Das Thema „Gerinnung“ bewegt sich im Spannungsfeld zwischen “zu viel” (Gefäßverschluss) und “zu wenig” (Blutung). Aufgrund der zahlreichen pharmakologischen Modulations- Möglichkeiten hat es eine enorme klinische Relevanz.
Einführend wird am Anfang der Vorlesung kurz auf die Mechanismen der primären und sekundären Hämostase eingegangen. Schwerpunktmäßig geht es anschließend um die erworbenen Thrombophilien, die von den angeborenen Thrombophilien (z. B. einem Protein-C-Mangel oder einer Faktor-V-Leiden-Mutation) abgegrenzt werden können.
Vereinfacht wird bei den Risiken für die Entwicklung einer Thrombose/Thrombembolie zwischen Basisrisiken (Disposition) und Akutrisiken (Exposition) unterschieden. Zu einem erhöhten Basisrisiko trägt unter anderem ein fortgeschrittenes Alter, eine TVT/LAE in der Vorgeschichte des Patienten und eine aktive Tumorerkrankung bei. Zu den Akutrisiken gehören ein verringerter Blutfluss (z. B. bei Herzinsuffizienz), Mobilitätseinschränkungen und die Therapie neoplastischer Erkrankungen (z. B. Chemotherapie).
Onkologische Patienten haben ein vielfach erhöhtes Thromboserisiko und sollten aus diesem Grund in den meisten stationären Fällen prophylaktisch antikoaguliert werden. Bei manchen Tumorentitäten (z. B. dem Pankreaskarzinom) treten so häufig Thrombosen- /Thrombophlebitiden auf, dass diese als paraneoplastisches Syndrom gelten und teilweise sogar den ersten Hinweis auf die Erkrankung geben können. Weshalb Tumoren zu einer Gerinnungsaktivierung führen, warum bei Tumorerkrankungen eine Antikoagulation mit niedermolekularen Heparinen (NMH) einer oralen Antikoagulation vorzuziehen ist und welche weiteren erworbenen Thrombophilien (Antiphospholipid-Syndrom) für Sie relevant sind erfahren Sie in der Vorlesung.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Skript „Praktikum Hämatologie und Klinische Chemie“ aus Modul 1.2, Kapitel 5
Dozierender und Autor des Vorlesungsabstracts: PD. Dr. J. Riggert
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende Theoretische Kenntnisse:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Nach einer groben Einführung in die hämostaseologischen Grundlagen der plasmatischen und zellulären Gerinnungsabläufe liegen die inhaltlichen Schwerpunkte der Vorlesung auf den angeborenen Gerinnungsstörungen. Als relevanteste Vertreter werden die Hämophilie A und B sowie die von-Willebrand-Erkrankung vorgestellt. Die Vorstellung erfolgt jeweils hinsichtlich:
Abschließend werden kurz die Besonderheiten der klinischen Diagnostik bei angeborenen Erkrankungen des Gefäßsystems vorgestellt.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Vorlesungsbegleitendes Skript „Transfusionsmedizin“
Dozierender und Autor des Vorlesungsabstracts: Dr. W. Jung
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Plasmazellneoplasien sind in der hämatologischen Onkologie häufige Erkrankungen. Sie zeichnen sich durch die monoklonale Proliferation von Plasmazellen aus. Plasmazellen sind ausgereifte B-Lymphozyten, deren Funktion die Produktion von Antikörpern (AK) ist. Aus dieser Definition lässt sich folgern, dass bei dieser Entität neben dem selten lokalisiert und typischerweise disseminiert auftretenden Plasmazelltumor auch dessen Proteinsekretion (Paraprotein, monoklonale Gammopathie) von Bedeutung ist.
Die klonale Vermehrung der Plasmazellen im Knochenmark kann die normale Blutbildung beeinträchtigen (Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie) und über eine Osteoklasten- aktivierung zu Schmerzen, Osteopenie, Osteolysen (pathologische Frakturen) und Hyper- kalzämie führen. Die Paraproteine induzieren fallweise Organschäden (z. B. Nephropathie oder AL-Amyloidose) und der Eiweißstoffwechsel kann verändert sein (z. B. Hypalbuminämie und sekundärer AK-Mangel).
In der Vorlesung werden Ihnen u. a. die Definitionen eines Plasmozytoms, einer monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) und eines Multiplen Myeloms (MM) vorgestellt und Sie werden durch das “Workup” (Anamnese, Untersuchung, Labordiagnostik, Bildgebung) eines Patienten mit V. a. Plasmazelltumor geführt. Die Stadieneinteilung des Multiplen Myeloms erfolgt nach dem International Staging System (ISS) und seiner Erweiterung in Form des R-ISS. Eine Therapieindikation besteht bei Endorganschäden (CRAB-Kriterien) oder positiven Biomarkern (SLiM-Kriterien). Da das Multiple Myelom eine in aller Regel nicht heilbare Erkrankung ist, wird als Therapieziel eine bestmögliche “tiefe” Tumorkontrolle, die möglichst lange hält, bei bestmöglicher Lebensqualität angestrebt. Bei drohenden oder eingetretenen Lokalkomplikationen sind Chirurgie und Strahlentherapie bedeutsame Therapieelemente. Das Spektrum der für die Tumorkontrolle eingesetzten Systemtherapeutika ist breit. Es erstreckt sich von einer oralen Therapie mit Lenalidomid und Steroiden zu Kombinationstherapien unter Einschluss von Proteasominhibitoren (z. B. Bortezomib) und monoklonalen Antikörpern, und weiter über die Hochdosischemotherapie mit Melphalan, gefolgt von autologer Stammzelltransplantation bis hin zur allogenen Stammzelltransplantation. Stets bedeutsam sind gemäß internationalen Leitlinien neben Tumor-modifizierenden Therapiemodalitäten supportive Therapie-Elemente, z. B. die Gabe von Bisphosphonaten oder Immunglobulinen.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Skript „Praktikum Hämatologie und Klinische Chemie“ aus Modul 1.2, Kapitel 11
Onkopedia: Multiples Myelom
Universitätsklinikum Heidelberg: Patientenhandbuch Multiples Myelom
Dozierende: Dr. T. Blaum, Prof. Dr. S. Rieken
Autor des Vorlesungsabstracts: Prof. Dr. G. Emons
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Wirkungsmechanismen von Antiöstrogenen, Aromataseinhibitoren, GnRH-Analoga, Gestagenen, Pharmakologie; Wirkungsmechanismen von Anthrazyklinen, Taxanen, Alkylantien (Pharmakologie; allgemeine Onkologie)
Abstract
Das Mammakarzinom ist das mit Abstand häufigste Malignom der Frau. Jede 10. -8. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Es entsteht über charakteristische Vorstufen (Carcinomata in situ). Ein kleiner Prozentsatz ist durch die Vererbung charakteristischer Mutationen bedingt. Die Mehrheit der Mammakarzinome ist assoziiert mit Faktoren der Reproduktion. Auch die exogene Anwendung von Sexualsteroiden (Pille, Hormonsubstitution während der Wechseljahre) erhöht das Mammakarzinomrisiko. Ziel ist die Früherkennung in einem vorklinischen Stadium. Hierfür wird insbesondere das Mammographie Screening eingesetzt. Die Grundlage der Therapie ist die operative Entfernung des Tumors. Dies geschieht heute in der Regel brusterhaltend. Außerdem wird zumindest ein Wächterlymphknoten entfernt. Die operative Therapie wird ergänzt durch eine risikoadaptierte Strahlentherapie und eine medikamentöse adjuvante Therapie. Die Mehrzahl der Mammakarzinome ist östrogenabhängig. Deshalb ist die endokrine (antiöstrogene) Therapie ein Grundpfeiler der adjuvanten Therapie. Bei Fällen mit höherem Risiko oder fehlender Östrogen-Abhängigkeit wird eine adjuvante Chemotherapie (Alkylantien, Anthrazykline, Taxane) eingesetzt. Bei Mammakarzinomen die Her2neu überexprimieren, erfolgt zusätzlich eine gegen dieses Target gerichtete Therapie.
Metastasierte Mammakarzinome sind nach heutigem Kenntnisstand nicht heilbar. Hier ist das Therapieziel palliativ, d. h. die Erzielung einer möglichst guten Lebensqualität und eines möglichst langen Überlebens. Therapieinduzierte Morbidität ist soweit als möglich zu vermeiden. Deshalb kommen in der palliativen Therapie, wenn möglich, endokrine Maßnahmen oder Mono-Chemotherapien zum Einsatz. Die Therapie von Patientinnen mit Mammakarzinom sollte in zertifizierten interdisziplinären Brustzentren erfolgen.
Empfehlung zur Nachbereitung
Onkopedia: Mammakarzinom der Frau
Dozierende: Prof. Dr. F. Nauck, Prof. Dr. B. Alt-Epping
Autor des Vorlesungsabstracts: Prof. Dr. B. Alt-Epping
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Belastungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Was brauchen Patienten und ihre Angehörigen, wenn Sie schwer erkrankt oder sterbend sind? Wie können die Betroffenen, aber auch die bereits einbezogenen medizinischen Fachbereiche und Dienste so unterstützt werden, dass selbst komplexe und hochbelastete Erkrankungssituationen „aushaltbar“ bleiben?
Die Vorlesungen im Rahmen des Q13 Palliativmedizin adressieren in diesem Sinne die Grundlagen der Palliativmedizin (Zielsetzung und Strukturen), sowie die Prinzipien der Behandlung belastender Symptome (insbesondere tumorbedingter Schmerzen, Dyspnoe, Übelkeit und Erbrechen, Verwirrtheit und Delir).
Empfehlung zur Nachbereitung
Skript zum Querschnittsfach 13 “Palliativmedizin” und weiterführende Literatur auf Stud.IP
Dozierender: Prof. Dr. L. Trümper
Das Modul 3.3 „Tumorerkrankungen und Erkrankungen der blutbildenden Organe“ stellt Sie als Studierende mit Sicherheit vor die ein oder andere Herausforderung. Zum einen gilt es, den Überblick zu bewahren und die Prinzipien der Tumorentstehung und -therapie zu erfassen. Zum anderen ist es an vielen Stellen nötig, die für Ärzte und Patienten wichtigen Details zu lernen, um sich im Alltag der modernen Medizin zurechtzufinden. Beim Studium der Modulinhalte und in der Vorbereitung auf die Klausur am Modulende ergeben sich so (hoffentlich!) viele Fragen, die nicht unbeantwortet bleiben sollen.
Aus diesem Grund werden Ihnen zwei interaktive Fragestunden angeboten. Diese „Vorlesungen“ werden maßgeblich von Ihren Fragen und Ihrem Interesse an den Modulinhalten mitgestaltet, also Idealerweise von Ihnen (ggf. sogar in Ihrer Lerngruppe) vorbereitet. Viel Spaß beim Fragen!
Dozierender und Autor des Vorlesungsabstracts: Prof. Dr. S. Schweyer
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Detaillierte Lernziele der Vorlesung
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Das Mammakarzinom ist der häufigste maligne Tumor der Frau. In der Vorlesung werden aktuelle epidemiologische und ätiologische Aspekte des Mammakarzinoms vorgestellt. Darüber hinaus wird das Modell der Pathogenese des Mammakarzinoms basierend auf der normalen Histologie der Brustdrüse vorgestellt. Wichtiger Bestandteil der Vorlesung ist dann die differentialdiagnostische Abgrenzung eines Mammakarzinoms gegenüber anderen nicht-neoplastische und neoplastischen Erkrankungen der Brustdrüse. Anhand der Aufarbeitung eines Mammaexzidates und Sentil-Lymphknotens bei Mammakarzinom wird die WHO- und TNM-Klassifikation vorgestellt. Abschließend werden prognostische und prädiktive Faktoren des Mammakarzinoms einschließlich aktueller molekularer Subtypen des Mammakarzinoms besprochen.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Grundmann E: Kurzlehrbuch Pathologie. 12. Auflage; Elsevier, Urban & Fischer, München 2014. Insbesondere Kapitel 17: Mamma und weibliches Genitale.
Dozierende: Prof. Dr. L. Kretschmer, PD Dr. C. Mitteldorf-Waldheim
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Abstract
Empfehlungen zur Nachbereitung
Für diese Vorlesung existiert leider noch kein Abstract. Wenn Sie motiviert sind einen kurzen Text zu der Vorlesung zu verfassen, freuen sich die Nachfolgenden Semester mit Sicherheit! Weitere Informationen erhalten Sie hier.
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Dozierende: Prof. Dr. S. Rieken, Dr. M. Hinterthaner, Dr. T. Overbeck
Autoren des Vorlesungsabstracts: T. Ortlieb, D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Auch in dieser Vorlesung wird Ihnen anhand einer einführenden Patientenvorstellung eine beispielhafte Krankengeschichte vorgestellt. Diese soll die Vielfalt möglicher Symptome von Lungentumoren, deren Diagnostik und die stadiengerechte Therapie an einem praktischen Beispiel näherbringen.
In der Vorlesung wird zunächst anhand epidemiologischer Daten die Bedeutung von Lungenkrebs als eine der häufigsten Krebstodesursache in der westlichen Welt verdeutlicht. Im Anschluss wird auf die oft unspezifischen Symptome von Lungentumoren, wie z. B. Husten und Hämoptysen, B-Symptomatik, Dyspnoe, Heiserkeit, obere Einflussstauung etc. eingegangen und welche Möglichkeiten zur histopathologischen Diagnosesicherung (SCLC vs. NSCLC) und Ausbreitungsdiagnostik (u.a. Röntgen-Thorax, CT, PET-CT, EBUS) zur Verfügung stehen. Auch thematisiert wird die zunehmende Bedeutung der molekularen Diagnostik in Bezug auf eine adäquate leitliniengerechte, individualisierte Therapie.
Der Vorlesungsschwerpunkt liegt dann auf der Erläuterung der unterschiedlichen Therapiemodalitäten (z. B. operative Tumorresektion, Strahlentherapie, Systemtherapie) welche durch Vertreter der jeweiligen Fachrichtung vorgestellt werden. Hierbei werden Ihnen die Indikationsstellung, die Prinzipien und die Techniken der chirurgischen Therapie sowie deren Komplikationen erklärt. Ebenso wird auf die Anwendungsbereiche der Strahlentherapie und Systemtherapie eingegangen. Zudem wird auf die stadiengerechte Therapie der unterschiedlichen histopathologischen und molekulargenetischen Subtypen der Lungenkarzinome eingegangen. Am Beispiel der Lungenkarzinome wird das Prinzip der Targeted Therapy, sowie der Immuntherapie und ihre zunehmenden Bedeutungen erklärt. Die Vorlesung gibt zum Schluss einen Ausblick auf eine Vielzahl vielversprechender Therapieansätze, welche in Zukunft Anwendung finden können.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC) und Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC)
Dozierende: Prof. Dr. C. Binder, PD Dr. J. Schanz
Autoren des Vorlesungsabstracts: T. Ortlieb, D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende Theoretische Kenntnisse:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Vorlesung beginnt mit einer kurzen Wiederholung der normalen Erythropoese, Granulopoese und Megakaryopoese.
Die Lichtmikroskopie hat nach wie vor einen bedeutenden Stellenwert in der Diagnostik hämatologischer Erkrankungen. Unter dem Mikroskop lassen sich Zellen/Zellreihen quantitativ (manuelles Differenzialblutbild) und qualitativ (Morphologie) beurteilen. Heutzutage wird die Mikroskopie durch weitere diagnostische Methoden ergänzt (z. B. FACS, Zyto- und Molekulargenetik), die in der Vorlesung ebenfalls kurz dargestellt werden.
Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt auf dem Erkennen von Blutbildveränderungen und der Zuordnung von charakteristischen Veränderungen zu Erkrankungen. Hierzu werden Blut- und Knochenmarkausstriche unter dem Videomikroskop präsentiert und Sie lernen “live” die unterschiedlichen Reifungsstufen der jeweiligen Zelllinie zu unterscheiden. Begriffe wie “volles Knochenmark“, “buntes Bild“, “Linksverschiebung“, “Hiatus leucaemicus“, “Gumprecht-Kernschatten“ oder “Auer-Stäbchen“ werden Ihnen anhand von Blut- und Knochenmarksausstrichen ganz konkret unter dem Mikroskop gezeigt. Die Vorlesung lebt durch die vielen Praxisbeispiele maligner und nicht-maligner hämatologischer Erkrankungen und Sie können Ihr Wissen in einem Quiz unter Beweis stellen.
Empfehlung zur Nachbereitung
Haferlach T, Engels M (Hrsg.): Taschenatlas Hämatologie: mikroskopische und klinische Diagnostik für die Praxis. 6., vollst. überarb. Aufl; Thieme, Stuttgart 2012
Dozierender: Prof. Dr. G. Wulf
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Spätestens seit der Diskussion über den Nutzen einer Einlagerung von Nabelschnurblut zur „privaten Vorsorge“, die kommerziell angeboten wird, beschäftigt das Thema Stammzell- therapie und -transplantation eine breite Öffentlichkeit. Die Vorlesung klärt zunächst die Frage „Was ist eine Stammzelle?“ und definiert dann wichtige Begriffe wie Autolog, Allogen, Syngen und Haploident.
Eine autologe Stammzelltransplantation ist im engeren Sinne eine Retransfusion patienteneigener hämatopoetischer Stammzellen und ermöglicht es, die Dosis einer Chemotherapie über die myeloablative Konzentration hinaus steigern zu können. Dies ist sinnvoll bei chemosensiblen Tumoren, für die eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht. Eine andere Voraussetzung ist die Abwesenheit klonogener Tumorzellen im Stammzelltransplantat. Die autologe Stammzelltransplantation wird unter anderem zur Primärtherapie des Multiplen Myeloms und des Mantelzell-NHL eingesetzt.
Bei einer allogenen Stammzelltransplantation wird die hämatopoetische Stammzelle des Patienten durch die eines Spenders (Donor) ersetzt. Dies ist bei Stammzellerkrankungen wie beispielsweise der AML nötig und nur möglich, wenn sich Spender und Empfänger in wichtigen immunologischen Eigenschaften gleichen (HLA-System). Geringe immunologische Differenzen zwischen dem Transplantat (Graft) und Empfänger (Host) tragen entscheidend zum Therapieerfolg bei, da sich das neu implementierte Immunsystem gegen die neoplastische Zellen des Empfängers richtet (Graft versus Leukemia, GvL). Wendet sich das Spender-Immunsystem jedoch gegen gesundes Gewebe des Empfängers kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen (Graft versus Host Disease, GvHD), die in ihrer klinischen Erscheinung anderen Autoimmunerkrankungen ähneln. Die Vorlesung geht auf die Vorbereitung des Patienten für eine allogene Stammzelltransplantation (Konditionierung) ein und beleuchtet die Komplikationen im Rahmen der Transplantation (unter anderem das hohe Infektionsrisiko und die GvHD) und deren Prophylaxe.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia Leitlinien zur allogenen Stammzelltransplantation
Dozierende: Prof. Dr. M. Ghadimi, Prof. Dr. S. Rieken
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Das kolorektale Karzinom gehört zu den drei häufigsten Tumoren bei Frauen und Männern. In ca. 50 % der Fälle ist es im Rektum lokalisiert (Rektumkarzinom). Aufgrund des lange asymptomatischen Verlaufes hat die Früherkennung (beispielsweise durch die digital-rektale Untersuchung, die Untersuchung des Stuhls auf okkultes Blut, oder die Koloskopie) einen wichtigen Stellenwert. Durch die Koloskopie können Gewebeproben entnommen und das gesamte Kolon inspiziert werden (nicht selten finden sich Zweittumore). Diagnostisch wird die lokale Tumorausbreitung (T und N) mittels transrektalem Ultraschall (TRUS) und MRT beurteilt. Metastasen (M) sollten durch Abdomensonographie, Röntgen-Thorax und CT-Thorax-Abdomen ausgeschlossen/gefunden werden.
Das therapeutische Vorgehen ist von der Ausbreitung (TNM) und dem Abstand des Tumors zur Anokutanlinie abhängig, der mittels starrer Rektoskopie bestimmt wird. Das Rektum ist 16 cm lang und wird chirurgisch in drei Teile gegliedert. Bei Rektumkarzinomen spielt in Abhängigkeit der lokalen Tumorausdehnung (Infiltrationstiefe, Lymphknotenbefall) die neoadjuvante Radiochemotherapie eine wichtige Rolle. Wie eine solche Therapie konkret aussieht, welche Vorteile sie hat, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind und weshalb ein Medizinstudent in Göttingen (!) darüber Bescheid wissen sollte vermittelt Ihnen die Vorlesung.
Darüber hinaus werden Ihnen die Prinzipien der onkologischen Chirurgie vorgestellt: Sicherheitsabstand, systematische Lymphadenektomie entlang der Arterien, zentrale Gefäßligatur, “no touch” und “en bloc” Resektion. Sie erfahren zudem etwas über Anastomose-Techniken und die allgemeinen sowie speziellen Risiken, die Sie im Aufklärungsgespräch dem Patienten vor einer OP erläutern müssen.
Empfehlung zur Nachbereitung
Onkopedia: Kolonkarzinom
Sauer R, Becker H, Hohenberger W, Rödel C, Wittekind C, Fietkau R, Martus P, Tschmelitsch J, Hager E, Hess CF et al. (2004): Preoperative versus Postoperative Chemoradiotherapy for Rectal Cancer. New England Journal of Medicine 351, 1731–1740
Dozierende: Dr. C. I. Chapuy, Prof. Dr. S. Rieken, PD Dr. B. Schatlo
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Das zentrale Nervensystem (ZNS) nimmt in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle ein:
Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt auf der multimodalen und interdisziplinären Therapie des Glioblastoms (häufigster bösartiger hirneigenen Tumor im Erwachsenenalter, WHO Grad IV). Von den Neurochirurgen erfahren Sie, wie mittels Neuronavigation, 5-Aminolävulinsäure (5-ALA), evozierter Potentiale und der sogenannten Wachkraniotomie Tumorgewebe reseziert und zugleich eloquente Hirnregionen geschont werden kann. Von den Strahlentherapeuten hören Sie, welche Aspekte bei der Bestrahlung des ZNS zu berücksichtigen sind. Die Onkologin ordnet das Glioblastom in die Gesamtheit der glialen Tumorentitäten ein und stellt Ihnen die konkrete Relevanz einiger Mutationen (z. B. MGMT-Promotor-Methylierung, IDH1-Mutation), sowie supportive und innovative Therapieoptionen wie die Elektrofeld-Therapie vor.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Stupp R, Mason WP, van den Bent MJ, Weller M, Fisher B, Taphoorn MJB, Belanger K, Brandes AA, Marosi C, Bogdahn U, et al. (2005): Radiotherapy plus Concomitant and Adjuvant Temozolomide for Glioblastoma. New England Journal of Medicine 352, 987–996
Knockin’ on Heaven’s Door (Film, 1997)
Dozierende: Prof. Dr. D. Beutner, Dr. C. I. Chapuy, Prof. Dr. S. Rieken
Autor des Vorlesungsabstracts: L. Thielking
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Kopf-/Hals-Tumoren machen etwa 5 % aller Krebserkrankungen aus und werden als Tumoren des oberen Luft- und Speiseweges definiert. Daher sind Trachea, Ösophagus, sowie die Hirn- und Augentumore nicht in dieser Kategorie mit inbegriffen.
95 % der Kopf-/Hals-Tumore sind Plattenepithel-Karzinome, die häufig der typischen Sequenz – Dysplasie, Carcinoma-in-Situ, invasives Karzinom – folgen. Traditionell gelten Alkohol- und Nikotinabsus als die Hauptrisikofaktoren. Seit einiger Zeit wird aber auch die Rolle der HPV-Viren in der Ätiologie einiger Tumore deutlicher, die mit neuen Therapiekonzepten einhergeht.
Wie häufig bei onkologischen Krankheitsbildern hängt die Symptomatik stark von der Lokalisation des Tumors ab: so kommt es im Larynx beispielsweise zu Heiserkeit, die die Patienten oftmals relativ früh zur Kenntnis nehmen. Andere Lokalisationen machen sich unter Umständen erst sehr spät bemerkbar. Auffällige Symptome, die länger als 6 Wochen andauern, sollten abgeklärt werden! Hierzu wird in der Vorlesung näher auf die Stufendiagnostik in der HNO eingegangen und z.B. die Rolle der Panendoskopie („Spiegelungen“) erläutert, die häufig mit dem starren Endoskop durchgeführt wird. Des Weiteren zählen hierzu die Stroboskopie zur Darstellung der Stimmlippen, das Staging mittels Ultraschall, MRT und CT. Aufgrund der typischen Risikofaktoren sollte immer auch ein Lungenkarzinom als Zweitneoplasie bei den Patientinnen und Patienten ausgeschlossen werden.
Für die Therapie gilt der Grundsatz „Stahl und Strahl kann Kopf-/Hals-Tumoren heilen“. Therapeutika wie Cisplatin, Cetuximab und Checkpoint-Inhibitoren spielen hauptsächlich in der adjuvanten Therapie oder primär in der Palliation eine Rolle. Mit kurativer Absicht wird eine Tumorresektion durchgeführt, die mit oder ohne Neck Dissection der Lymphabflusswege oder in Kombination mit der Strahlentherapie erfolgen kann. Dabei kommen auch transorale laser- und robotergestützte Verfahren der Mikrochirurgie zum Einsatz, um funktionale Einschränkungen zu minimieren. Nach einer Laryngektomie stehen verschiedene Methoden zur Stimmrehabilitation zur Verfügung.
Auch für die Strahlentherapie muss das Risiko für bestimmte, Strahlen-assoziierte Nebenwirkungen beachtet werden.
Empfehlung zur Nachbereitung
Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Larynxkarzinom
Dozierende: Prof. Dr. C. Binder, Dr. med. A. Strauß
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Keimzelltumore sind die häufigsten bösartigen Neoplasie bei Männern zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. Grob unterschieden wird zwischen Seminomen (~40 % der Fälle) und Nicht-Seminomen (~60 % der Fälle). Zur Gruppe der Nicht-Seminome gehören das Embryonale Karzinom, das Teratom (reif oder unreif), der Dottersacktumor und das Chorionkarzinom. Nicht selten besteht der Tumor aus unterschiedlich differenzierten Anteilen (Kombinationstumor). Die Unterscheidung zwischen Seminomen und Nicht-Seminomen hat therapeutische und prognostische Relevanz.
In der gemeinsam von Urologen und Onkologen gehaltenen Vorlesung wird Ihnen die Epidemiologie und Pathogenese des Hodentumors vorgestellt. Anschließend werden mit Ihnen die Symptome erarbeitet, die auf einen Keimzelltumor des Mannes hinweisen können. Zusätzlich werden auch die benignen Hodentumoren kurz besprochen.
Zur Diagnostik gehört bei Verdacht auf einen Keimzelltumor des Mannes die Sonographie der Hoden und die Bestimmung von Laborparametern wie LDH, Alfafetoprotein, ß-HCG und in seltenen Fällen der plazentaren alkalischen Phosphatase (PLAP). Bei nachgewiesener Raumforderung erfolgt zur Diagnosesicherung eine inguinale (!) Freilegung des Hodens. Die Ausbreitungsdiagnostik mittels CT sollte Abdomen und Thorax umfassen und bei ausgeprägter Metastasierung ausgeweitet werden.
Eine Besonderheit beim Keimzelltumor des Mannes ist die kurative Therapieoption auch bei fortgeschrittener Erkrankung (z. B. bei Lungen- oder anderen Organmetastasen).
Welchem Zytostatikum diese kurative Option zu verdanken ist, weshalb der nicht befallene Hoden häufig biopsiert wird und die wichtigen Differenzialdiagnosen des Leitbefundes “Hodenschwellung” erfahren Sie in der Vorlesung.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Keimzelltumoren des Mannes
Dozierender: Prof. Dr. G. Wulf
Autorin des Vorlesungsabstracts: S.-K. Kieslich
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Grundlegende theoretische Kenntnisse:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Aufgrund einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung und der Unaufhaltsamkeit des zellbiologischen Alterns, werden altersbedingte Veränderungen von Blutbild und Gerinnung sowie maligne Transformationen häufiger und sind für die Onkologie in Zukunft von besonderer Bedeutung.
Die Globalparameter des Blutbildes, d.h. die Hämoglobin-Konzentration (Hb) sowie die Anzahl der Leukozyten und Thrombozyten im peripheren Blut, sind im Erwachsenenalter nicht altersabhängig. Gleichwohl ist auch dann die Hämatopoese einem Alterungsprozess unterworfen. Alle Reihen der Blutbildung sind bis ins hohe Alter voll funktional, in ihrer funktionellen Reserve jedoch beschränkt. Mit zunehmenden Alter ist zu beobachten, dass die Anzahl unterschiedlicher Stammzellen abnimmt. Diese klonale Hämatopoese hat per se keinen Krankheitswert. Sie kann aber abhängig von weiteren Veränderungen zu hämatologischen Neoplasien (Hämoblastosen) führen. So steigt beispielsweise die Inzidenz des Multiplen Myeloms und das Vorkommen von Non-Hodgin-Lymphomen (NHL) mit dem Alter.
Die bei einer Hämoblastose erforderlich werdende Chemotherapie stellt im Alter im Hinblick auf die Abnahme der Verträglichkeit und der Effektivität eine besondere Herausforderung dar. Eine Abhilfe können zum Teil Immuntherapien (z.B. Antikörper oder CAR-T-Zellen) schaffen, die jedoch mit anderen Nebenwirkungen verbunden sind. Ist die Erkrankung Chemotherapie-refraktär und anderen Therapieformen nicht zugänglich, kann auch noch im Alter eine autologe oder allogene Stammzelltransplantation erfolgen. Ein besonderes Augenmerk ist hierbei auf den individuellen Nutzen und die Risiken zu richten. Eine Entscheidungshilfe bieten Scores (z.B. Karnofsky und ECOG) um den Allgemeinzustand und andere Aspekte (Performance) einzuschätzen.
Neben neoplastischen Erkrankungen können mit zunehmenden Alter auch Veränderungen des Gerinnungssystems von Bedeutung sein. So nimmt beispielsweise die Wahrscheinlichkeit zu, Autoantikörper gegen die Gerinnungsfaktoren FVIII oder FIX zu entwickeln, welche dann eine Hemmkörperhämophilie verursachen. Ebenso nimmt die Wahrscheinlichkeit für Thrombosen zu. Die Inzidenz von Anämien steigt mit dem Alter aufgrund des vermehrten Auftretens von Erkrankungen, die eine Anämie verursachen (z.B. Eisenmangel, chronische GI-Blutung).
Empfehlungen zur Nachbereitung
iLearn Onco: Einführung in die Onkologie, Besondere Patientengruppen - Onkologie im Alter
Dozierende: Prof. Dr. L. Trümper, Prof. Dr. U. Groß
Autor des Vorlesungsabstracts: D. Voigt
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende Theoretische Kenntnisse:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Als Einstieg in das Thema der Vorlesung werden mit Ihnen einige Fallbeispiele besprochen. Tumorerkrankungen gehen aus unterschiedlichen Gründen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Sowohl krankheitsassoziiert als auch therapiebedingt ist häufig die zelluläre und/oder humorale Immunität von Tumorpatienten herabgesetzt. Hinzu kommen lokale Faktoren (Barriere-, Belüftungs- und Durchblutungs-Störungen), eine katabole Stoffwechsellage des Patienten und invasive Maßnahmen durch Ärzte (z. B. Katheter oder OPs). Dies erweitert das Erregerspektrum der Infektionen von Tumorpatienten um Viren wie beispielsweise HSV und CMV, um Pilze wie beispielsweise Candida und Aspergillus sowie um atypische Erreger wie beispielsweise Pneumocystis jirovecii. Zudem wird die besondere Gefährdung von Krebspatienten durch SARS-CoV-2 dargestellt.
Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos und einer hohen infektbedingten Mortalität von Tumorpatienten kommt der Infektionsprophylaxe in der Onkologie ein wichtiger Stellenwert zu. So ist die prophylaktische Gabe von Antibiotika (!), Virostatika und Antimykotika im Rahmen verschiedener Therapieprotokolle fest etabliert. Weitere prophylaktische Maßnahmen sind die Expositionsprophylaxe, die Isolationsprophylaxe, die Verringerung der Neutropeniedauer (Gabe von G-CSF) und die lokale (Schleim-) Hautpflege, auf die die Vorlesung im Einzelnen eingeht.
Auch milde klinischen Zeichen einer Infektion sollten bei Tumorpatienten zu einer unmittelbaren Fokus- und Erregersuche führen. Tritt bei einem neutropenen Patienten Fieber auf (“Fieber in Neutropenie”), so ist nach Abnahme von Blutkulturen der sofortige Beginn einer empirischen Antibiotika-Therapie erforderlich (onkologischer Notfall).
Im Anschluss an die Vorlesung sollten Sie über die beschriebenen Grundlagen hinaus das klinische Erscheinungsbild, das Erregerspektrum und die Therapie einiger wichtiger Infektionserkrankungen bei Tumorpatienten erkennen und benennen können.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Infektionen bei hämatologischen und onkologischen Patienten - Übersicht -
Dozierender und Autor des Vorlesungsabstracts: Prof. Dr. M. Gründel
Lernziele
Verdeutlicht wird der Stellenwert der Arzt-Patient-Kommunikation. Sie ist wichtig, um zum einen die Bewältigungsmöglichkeiten für Tumorpatienten positiv zu beeinflussen. Zum anderen hat sie einen direkten Einfluss auf die Berufszufriedenheit der Behandelnden, indem sie das Erleben der eigenen Arbeit als sinnhaft moderiert.
Es soll erlebbar werden, wie mit der Beachtung weniger grundlegender Verhaltensweisen eine vertrauensvolle Beziehung zu Patienten gefördert werden kann.
Vorausgesetztes Wissen
Es gibt keine vorausgesetzten kognitiven Inhalte – gleichwohl ist ein offener und selbstreflexiver Umgang mit Kommunikation eine wünschenswerte Basis für die Vorlesung.
Abstract
Im ersten Teil werden grundlegende Thesen der Kommunikationspsychologie referiert, soweit sie relevant für den ärztlichen Kontakt mit Tumorpatienten sind (z. B. seelische Grundbedürfnisse, historische Entwicklung der Arzt-Patient-Beziehung, Beziehungs- konstruktion durch Kommunikation, gesprächspsychotherapeutische Grundhaltungen).
Im umfangreichsten zweiten Teil geht es um praktische kommunikationspsychologische „tools“, also konkret im Patientenkontakt anwendbare Verhaltensweisen (z. B. aktives Zuhören, Schutz, Phrasen, Pausen, Affektivität, Körpersprache, joining, „Rolle + X“, wie viel Information?, Berühren oder nicht?, Loyalität zum Behandlungsteam).
Der dritte Teil besteht aus einem idealtypischen patientenzentrierten Vorgehen beim Aufklärungsgespräch. Schritt für Schritt wird erläutert, wie man in den einzelnen Stadien des Gesprächs sowohl der ärztlichen Aufklärungspflicht als auch den Bewältigungsbedürfnissen der Patienten gerecht werden kann.
Im letzten Teil der Vorlesung werden ausgewählte empirische Ergebnisse referiert, die die Bedeutung eines vertrauensvollen Arzt-Patient-Kontaktes belegen.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Bechmann S: Medizinische Kommunikation: Grundlagen der ärztlichen Gesprächsführung. 1. Auflage; UTB, Tübingen 2014
Emmerling P: Ärztliche Kommunikation. Schattauer, Stuttgart 2014
Heiland R: Weil Worte wirken: Wie Arzt-Patienten-Kommunikation gelingt. Theorie - Praxis - Übungen. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2018
Dozierender und Autor des Vorlesungsabstracts: Dr. R. Koch
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Symptome und Befunde:
Gesundheitsstörungen:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Der onkologische Notfall ist eine Situation, die an den behandelnden Arzt eine Vielzahl besonderer Herausforderungen stellt: unter Zeitdruck muss der Patient in einer psychischen Ausnahmesituation angenommen, sein komplexes Krankheitsbild erfasst und unter Berücksichtigung der Vorgeschichte und Prognose eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie durchgeführt werden.
In der Vorlesung werden zunächst die wichtigsten onkologischen Notfalldiagnosen sowie Notfälle die als sekundäre Komplikation einer Tumorerkrankung oder aber als Komplikation durch die Therapie entstehen erarbeitet und erläutert. Darüber hinaus werden an den Beispielen der oberen Einflussstauung, des Tumorlysesyndroms und der Hirndrucksteigerung die Prinzipien der interdisziplinären Diagnostik und Therapie erörtert.
Die obere Einflussstauung stellt insofern eine besondere Herausforderung dar, als dass bei Nachweis einer malignen Ursache die Wahl der optimalen therapeutischen Versorgung maßgeblich von der histologischen Sicherung abhängt. Dies erfordert ein hohes Maß interdisziplinärer Zusammenarbeit und optimale Koordination der einzelnen diagnostischen und therapeutischen Schritte.
Bei Einleitung einer onkologischen Therapie stellt das Tumorlysesyndrom eine häufige Komplikation dar, die eine erfolgreiche onkologische Behandlung gefährden und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Es ist daher von hoher Bedeutung, Patienten mit einem Risiko für ein Tumorlysesyndrom frühzeitig zu identifizieren und durch prophylaktische und frühe therapeutische Maßnahmen Komplikationen zu verhindern.
Unter den Komplikationen durch Tumorerkrankungen stellt die zerebrale Metastasierung mit akuter Hirndrucksteigerung insofern eine Besonderheit dar, als dass nicht selten die Symptome der zerebralen Metastasierung das erste Krankheitszeichen für eine bis dahin nicht diagnostizierte Tumorerkrankung sein können. Auch hier ist interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend für die optimale Versorgung des Patienten.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Kreuzer und Beyer: Hämatologie & Onkologie. Fallorientierte Darstellung – rationale Diagnostik und Therapie, Thieme 2016
Dozierende: Prof. Dr. L. Trümper, PD Dr. S. Kaulfuß
Autorin des Vorlesungsabstracts: S.-K. Kieslich
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Vorlesung besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird anhand von Fallbeispielen auf die klinischen Aspekte des kolorektalen Karzinoms, insbesondere bei Patienten mit einer Tumorprädisposition, eingegangen. Methoden der Primär und Sekundärprävention stehen im Vordergrund. Im zweiten Teil liegt das Augenmerk auf den genetischen Ursachen von Tumorleiden am Beispiel des kolorektalen Karzinoms und/oder des Mammakarzinoms.
Das kolorektale Karzinom ist aufgrund seines häufigen Vorkommens von besonderer Relevanz; es gehört zu den fünf häufigsten Tumorentitäten in Deutschland (Inzidenz und Mortalität). Die Entstehung des kolorektalen Karzinoms wird von verschiedenen Umweltfaktoren beeinflusst. Während beispielsweise “rotes” Fleisch die Entstehung begünstigen kann, wirken eine mediterrane Ernährung und körperliche Aktivität protektiv, sodass sich hier Ansatzpunkte der Primärprävention ergeben. Da kolorektale Karzinome zum einen erst spät zu Symptomen führen, zum anderen jedoch durch makroskopisch sichtbarer Präkanzerosen detektierbar sind, kommt der Sekundärprävention (Vorsorgeuntersuchung) mittels Koloskopie eine besondere Bedeutung zu.
Verschiedene Darmkrebsformen sind in unterschiedlichem Ausmaß von Umwelt und Genetik beeinflusst. Sporadische Darmkrebs-Erkrankungen manifestieren sich auf dem Boden von Umweltfaktoren mit zunehmendem Alter. Bei hereditärem Darmkrebs ist durch ererbte Mutationen das Risiko für ein Karzinom von Geburt an erhöht und die Betroffenen erkranken in der Regel deutlich früher. Für das Lynch-Syndrom (HNPCC, hereditary nonpolyposis colorectal cancer) sind Mutationen in Genen der DNA-Mismatch-Reparatur ursächlich, die zu einer Mikrosatelliten-Instabilität führen. Die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) tritt mit vollständiger Penetranz auf und ist auf eine Mutation des Tumorsuppressorgens APC zurückzuführen. Gemeinsam ist beiden Erkrankungen eine mögliche extraintestinale Manifestation. Diese tritt bei der MUTYH-assoziierten Polyposis (MAP), einer weiteren hereditären Krebserkrankung, nicht auf.
Empfehlungen zur Nachbereitung
Onkopedia: Kolonkarzinom und Mammakarzinom der Frau
Dozierender: Prof. Dr. R. Nau
Autor des Vorlesungsabstracts: L. Thielking
Lernziele in Anlehnung an den Göttinger Lernzielkatalog
Gesundheitsstörungen:
Grundlegende theoretische Kenntnisse, Einstellungen und Methoden:
Vorausgesetztes Wissen
Abstract
Die Vorlesung beginnt mit einer Vorstellung der Positiv- und Negativ-Empfehlungen der Initiative „Klug Entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Anschließend bespricht Prof. Nau zehn wichtige Themen aus der Geriatrie:
Dabei werden zu jedem Thema diagnostische und (pharmako-) therapeutische Fragestellungen im Kontext der Geriatrie vorgestellt und häufig an Hand der aktuellen Studienlage ausgeführt. Die Vorlesung fokussiert auf auf wichtige Besonderheiten in der Behandlung älterer Patienten („Start low, go slow") und verweist auch auf seltene, aber leicht zu übersehende Differenzialdiagnosen in der Geriatrie (z.B. Basilaris-Stenose bei Sturzereignissen oder Normaldruck-Hydrozephalus bei Demenz).
Abgeschlossen werden die Abschnitte mit einer Zusammenfassung als „Take-Home-Message". besondere Erwähnung finden dabei die FORTA-Liste der Universitätsmedizin Mannheim mit ihren A/B/C/D-Empfehlungsgraden, sowie die PRISCUS- Liste, die vor allem Negativ-Empfehlungen enthält, also Medikamente die nicht oder nur unter Vorsicht eingesetzt werden sollten. Beide Listen sollen es dem Mediziner erleichtern, rationale pharmakologische Entscheidungen in der Behandlung geriatrischer Patienten zu treffen.
Empfehlungen zur Nachbereitung
„Klug entscheiden in der Geriatrie" (DGIM, DGG)
FORTA-Liste der Universitätsmedizin Mannheim
PRISCUS-Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen
Für einige Vorlesungen existiert leider noch kein Abstract. Wenn Sie motiviert sind einen kurzen Text zu einer der Vorlesungen zu verfassen, freuen sich die nachfolgenden Semester mit Sicherheit! Sie können sich hierfür an den anderen Texten orientieren und strukturell folgendermaßen vorgehen.
Vorausgesetztes Wissen
Stichpunktartige Beschreibung von Basiskenntnissen, die von den Dozierenden offensichtlich vorausgesetzt werden.
Abstract
Wie lässt sich das Thema einordnen? Warum ist es für alle Ärzte relevant?
Was sind die Kernaussagen der Vorlesung? Worauf liegt der Schwerpunkt?
Was kann man in der Vorlesung lernen / Was ist die “take home message”?
Empfehlungen zur Nachbereitung
1-2 wichtige Literaturverweise, die ggf. in der Vorlesung genannt werden.
Falls gute Lehrbücher oder Skripte zu dem Thema bekannt sind, darauf verweisen.
Die Texte nimmt Frau R. Wurm per E-Mail entgegen: rebecca.wurm@med.uni-goettingen.de
Als Anerkennung für die Arbeit gibt es nicht nur einen Platz in der Autorenliste von iLearn Onco, sondern auch eine kleine andere Überraschung.